Präsentationen mit KI: Gamma, Canva und Copilot im Vergleich
Aus einem Text oder Dokument wird in Minuten ein Foliensatz. Vier Werkzeuge, vier Ansätze, und ein Fehler, den fast alle beim ersten Versuch machen: Der Inhalt bleibt auf der Strecke.

Dieser Beitrag ist ein Überblick auf Grundlage von Anbieterangaben, Dokumentation und öffentlich zugänglichen Berichten, kein benoteter Test aus eigener Hand. Preise und Funktionen ändern sich schnell; maßgeblich sind die Angaben des Anbieters. Benotet wird nur, was wir selbst über Wochen im Einsatz hatten: diese Werkzeuge stehen unter KI-Tools im Vergleich.
Der typische Fehler: schöne Folien, leerer Inhalt
Alle vier Werkzeuge versprechen dasselbe: Sie geben ein Thema, einen Text oder ein Dokument ein und erhalten einen fertig gestalteten Foliensatz. Das funktioniert, und es funktioniert schnell. Das Ergebnis sieht nach zwei Minuten besser aus als vieles, was in Unternehmen tatsächlich gezeigt wird.
Genau darin liegt die Falle. Aus einem Satz Thema erzeugt die KI eine Gliederung mit den erwartbaren Allgemeinplätzen, füllt jede Folie mit drei Stichpunkten und setzt ein passendes Bild daneben. Die Präsentation wirkt fertig, sagt aber nichts, was Ihr Publikum nicht schon wusste. Wer sie so vorträgt, merkt den Unterschied spätestens bei der ersten Rückfrage.
Die brauchbare Arbeitsteilung ist eine andere: Der Inhalt kommt von Ihnen, die KI übernimmt die Form. Schreiben Sie die Kernaussagen, Zahlen und Argumente zuerst als Gliederung auf, gern mit Hilfe eines Chatbots wie ChatGPT oder Claude, der Fragen stellt und die Reihenfolge prüft. Erst dieser Text wandert in das Präsentationswerkzeug. So bekommen Sie Folien, die Ihre Argumente tragen, statt Argumente, die zu den Folien passen.
Gamma und Canva: Tempo gegen Gestaltung
Gamma ist auf den Weg vom Text zur Struktur spezialisiert. Sie fügen eine Gliederung oder ein Dokument ein, das Werkzeug schlägt eine Kartenfolge vor, die Sie vor der Gestaltung bearbeiten können, und baut daraus in kurzer Zeit ein Deck. Das Format ist zuerst eine Webseite: Karten mit variabler Höhe, die im Browser gut lesbar sind und sich per Link teilen lassen. Ein Export nach PowerPoint und PDF ist auf allen Stufen möglich, aber das Kartenformat wird dabei nicht immer sauber auf 16:9-Folien übertragen. Wer am Ende ohnehin in PowerPoint arbeitet, sollte das früh prüfen.
Canva geht vom Design aus. Die Funktion „Magic Design“ erzeugt aus einem Thema oder eingefügtem Text einen Foliensatz auf Basis der riesigen Vorlagenbibliothek, mit Zugriff auf Stockfotos, Grafiken, Schriften und die Bildgenerierung „Magic Media“. Das Ergebnis ist gestalterisch meist reifer als bei Gamma, die inhaltliche Struktur dagegen flacher: Canva verteilt Ihren Text auf Layouts, es denkt ihn nicht weiter.
Ein Brand Kit mit eigenen Farben, Schriften und Logos gibt es in beiden Werkzeugen ab der Bezahlstufe; bei Gamma sind eigene Schriften der Pro-Stufe vorbehalten. Der Export nach PowerPoint ist bei Canva verlässlicher, weil Canva schon lange mit festen Folienformaten arbeitet. Für Vorträge, die als Datei weitergegeben werden, ist das ein Argument.
Copilot in PowerPoint und Beautiful.ai: Vorlagen und Grenzen
Microsoft 365 Copilot arbeitet dort, wo die meisten Unternehmen ihre Präsentationen ohnehin bauen. Der Befehl „Präsentation aus Datei erstellen“ nimmt ein Word-Dokument, laut Microsoft bis etwa 24 Megabyte, und macht daraus einen Entwurf mit Sprechernotizen und den im Dokument enthaltenen Bildern. Wer mit Formatvorlagen für Überschriften arbeitet, bekommt eine deutlich bessere Gliederung, weil Copilot die Dokumentstruktur übernimmt.
Der entscheidende Vorteil ist die Firmenvorlage: Öffnen Sie zuerst das Unternehmens-Template, dann verwendet Copilot dessen Layouts, Farben und Schriften. Das Ergebnis sieht aus wie ein Foliensatz aus Ihrem Haus und nicht wie ein Web-Design. Dafür ist die gestalterische Bandbreite geringer, und die Qualität der Gliederung hängt stark von der Qualität des Ausgangsdokuments ab.
Beautiful.ai wählt den vierten Weg: bewusst eingeschränkte Gestaltung. Über 300 „Smart Slides“ genannte Layouts ordnen Inhalte automatisch neu, wenn Sie Text, Zahlen oder Bilder hinzufügen oder entfernen. Man kann damit kaum eine hässliche Folie bauen, aber auch keine, die vom Raster abweicht. Für Teams, die einheitliche Decks ohne Designabteilung brauchen, ist diese Beschränkung ein Vorteil; der PowerPoint-Export ist vorhanden, wird in Erfahrungsberichten aber regelmäßig als nacharbeitsbedürftig beschrieben.
Preise in Größenordnungen
Nach Anbieterangaben, Stand September 2026: Gamma bietet eine kostenlose Stufe mit einmaligem Startguthaben, danach liegen die Einzeltarife bei rund 8 US-Dollar (Plus) und 15 bis 18 US-Dollar (Pro) im Monat bei Jahreszahlung, mit monatlichem Guthaben für KI-Schritte. Teamtarife beginnen bei rund 20 US-Dollar je Nutzer und Monat, die Business-Stufe bei etwa 40 US-Dollar.
Canva Pro kostet in Deutschland rund 12 Euro im Monat oder etwa 110 Euro im Jahr, der Business-Tarif für Teams rund 17 Euro je Person und Monat; KI-Funktionen wie Magic Design zählen auf ein monatliches Nutzungskontingent. Beautiful.ai liegt bei rund 14,50 US-Dollar im Monat bei Jahreszahlung, aber 45 US-Dollar bei monatlicher Zahlung; der Teamtarif kostet rund 40 US-Dollar je Nutzer und Monat bei mindestens zwei Plätzen. Die Testphase verlangt eine Kreditkarte, was in kleineren Firmen oft übersehen wird.
Microsoft 365 Copilot ist ein Zusatz zu einer bestehenden Microsoft-365-Lizenz. Für kleine Unternehmen nennt Microsoft in Deutschland derzeit knapp 16 Euro je Nutzer und Monat bei Jahresbindung, mit einem regulären Preis von etwas über 18 Euro; die Enterprise-Variante liegt bei rund 30 US-Dollar. Die Lizenz deckt dann allerdings Word, Excel, Outlook und Teams mit ab. Wer nur Folien bauen will, zahlt hier für viel, was er vielleicht nicht braucht; wer ohnehin über Copilot nachdenkt, bekommt die Präsentationsfunktion mit. Was sich sonst im Büro lohnt, steht in unserem Beitrag über KI-Anwendungen im Büro.
Daten, DSGVO und Bildrechte
Präsentationen enthalten häufig genau das, was nicht nach außen soll: Kundennamen, Umsätze, Strategiepapiere. Wer ein internes Dokument hochlädt, gibt es an den Anbieter und dessen Modelllieferanten weiter. Gamma verarbeitet nach eigenen Angaben in den USA, ohne EU-Speicherort; ein Auftragsverarbeitungsvertrag mit Standardvertragsklauseln ist für Geschäftstarife verfügbar, in den Einzeltarifen ist die Nutzung Ihrer Inhalte zur Verbesserung der KI standardmäßig aktiv und muss in den Einstellungen abgeschaltet werden. In Team- und Business-Arbeitsbereichen ist sie fest deaktiviert. Beautiful.ai speichert ebenfalls in den USA; zur Trainingsnutzung macht die Datenschutzerklärung keine Aussage, was Sie vor einem Einsatz mit Personenbezug klären sollten.
Canva verarbeitet an mehreren Standorten weltweit, darunter Europa und die USA; ein Speicherort in der EU lässt sich nur im Enterprise-Tarif festlegen. Auch hier gilt: In Free und Pro ist die Trainingsnutzung standardmäßig eingeschaltet, in Business- und Enterprise-Konten ist sie ausgeschlossen. Copilot ist die naheliegende Wahl für Unternehmen, die schon in Microsoft 365 arbeiten: Eingaben und Dokumente werden laut Microsoft nicht zum Training der Modelle verwendet, die Verarbeitung für EU-Kunden bleibt innerhalb der EU-Datengrenze, und Copilot sieht nur Dateien, auf die der jeweilige Nutzer ohnehin Zugriff hat. Die allgemeine Prüfreihenfolge finden Sie in unserem Beitrag zu KI-Tools und DSGVO.
Bei den Bildern liegt die zweite Rechtsfrage. Alle vier Werkzeuge erzeugen Illustrationen auf Zuruf, Gamma über wechselnde Bildmodelle, Canva über Magic Media, Copilot über die Microsoft-eigene Bildgenerierung. Die Anbieter räumen Ihnen die Nutzung ein, auch geschäftlich, aber ohne Exklusivität, und ob an einem rein KI-erzeugten Bild überhaupt ein Urheberrecht entsteht, ist in Deutschland offen. Microsoft gewährt Geschäftskunden zusätzlich eine Freistellung bei Urheberrechtsklagen, Canva im Enterprise-Tarif. Für Folien, die nach außen gehen, sind Werkzeuge mit klarer Lizenzlage wie Adobe Firefly oder ein Generator mit sauberer Textdarstellung wie Ideogram oft die bessere Bildquelle.
Für wen sich welches Werkzeug lohnt
Gamma lohnt sich für Selbstständige, Berater und Vertriebsteams, die viele Decks in kurzer Zeit brauchen und sie überwiegend am Bildschirm oder per Link zeigen. Canva ist die Wahl, wenn Gestaltung und Bildmaterial zählen, etwa im Marketing, in Agenturen oder in Vereinen, und wenn ohnehin schon andere Medien in Canva entstehen.
Copilot in PowerPoint gehört in Unternehmen, die Microsoft 365 nutzen, Firmenvorlagen durchsetzen müssen und interne Dokumente nicht an weitere Anbieter geben wollen. Beautiful.ai passt zu kleinen Teams ohne Designressourcen, die einheitliche, nüchterne Decks wollen und die Beschränkung des Rasters als Erleichterung empfinden.
Nicht lohnen wird sich keines der Werkzeuge für Vorträge, bei denen der Inhalt noch nicht steht. Die Gestaltung ist in allen vier Fällen das kleinere Problem. Die Zeit, die die KI beim Layout spart, gehört in die Gliederung und die Zahlen, und die entstehen nach wie vor im Kopf des Vortragenden.
Kurzfassung: Gamma für Tempo und Webformat, Canva für Gestaltung, Copilot für Firmenvorlagen und Datenschutz in Microsoft 365, Beautiful.ai für einheitliche Decks ohne Designabteilung. Der Inhalt muss in allen Fällen vom Autor kommen; die KI liefert nur die Form.
Im Beitrag erwähnte Tools
Zu jedem Werkzeug gibt es einen ausführlichen Testbericht mit Noten und Preisen.
ChatGPT
OpenAIDer Allrounder mit dem größten Funktionsumfang und dem breitesten Ökosystem.
Claude
AnthropicStärkster Assistent für lange Dokumente, sorgfältige Analysen und Texte mit Substanz.
Ideogram
Ideogram AIDer Spezialist, wenn lesbare Schrift ins Bild muss.
Adobe Firefly
AdobeRechtlich saubere Bild-KI, die dort sitzt, wo Gestalter ohnehin arbeiten.
Jean-Marc Mihoc arbeitet täglich mit KI-Werkzeugen und testet sie hier mit selbst bezahlten Zugängen an echten Arbeitsaufgaben, statt an Demos. Er schreibt auf, was dabei herauskommt, auch wenn es unspektakulär ist, und sagt bei jedem Werkzeug dazu, für wen es sich nicht lohnt.

