Suno und Udio: KI-Musik für Videos, Podcasts und Werbung
Aus einer Textzeile wird ein fertiger Song mit Gesang, Text und Arrangement. Was die beiden Werkzeuge leisten, was sie kosten, und warum die Nutzungsrechte für Unternehmen die eigentliche Frage sind.

Dieser Beitrag ist ein Überblick auf Grundlage von Anbieterangaben, Dokumentation und öffentlich zugänglichen Berichten, kein benoteter Test aus eigener Hand. Preise und Funktionen ändern sich schnell; maßgeblich sind die Angaben des Anbieters. Benotet wird nur, was wir selbst über Wochen im Einsatz hatten: diese Werkzeuge stehen unter KI-Tools im Vergleich.
Was Suno und Udio erzeugen
Beide Dienste machen aus einer Beschreibung ein komplettes Musikstück: Genre, Stimmung, Tempo, auf Wunsch ein eigener Liedtext oder ein Text, den das Modell selbst schreibt. Heraus kommt in wenigen Minuten ein Song mit Gesang, Instrumenten und Arrangement, wahlweise auch ein reines Instrumental.
Für den beruflichen Alltag ist der zweite Fall der wichtigere. Ein ruhiges Bett unter einem Erklärvideo, ein Intro für den Firmenpodcast, ein Jingle für die Warteschleife: Solche Stücke entstehen in einem Durchgang, und wer mit dem Ergebnis nicht zufrieden ist, lässt einfach drei weitere erzeugen.
Die Qualität ist in den letzten zwei Jahren deutlich gestiegen. Produktionen in Pop, Elektronik oder Hintergrundmusik sind für Laien kaum noch von Stockmusik zu unterscheiden. Erkennbar bleibt das Maschinelle bei anspruchsvollen Arrangements, bei deutschem Gesang mit sauberer Aussprache und überall dort, wo ein Stück eine Idee tragen soll und nicht nur eine Stimmung.
Zwei Werkzeuge, zwei Arbeitsweisen
Suno erzeugt in der Regel den ganzen Song auf einmal, mehrere Minuten lang, mit Strophe, Refrain und Schluss. Die aktuelle Modellgeneration liefert nach Anbieterangaben Einzelspuren zum Export, so dass Gesang, Schlagzeug und Bass getrennt in ein Schnittprogramm wandern können. Im teuersten Tarif kommt ein browserbasiertes Studio dazu, in dem sich die Spuren weiterbearbeiten lassen.
Udio arbeitet kleinteiliger: Es erzeugt Abschnitte von rund einer halben Minute, die man anhört, verwirft oder verlängert, bis das Stück steht. Das kostet mehr Klicks, gibt aber mehr Kontrolle über den Aufbau. In Hörvergleichen wird Udio häufig eine etwas natürlichere Klangqualität zugeschrieben, Suno die bessere Gesamtstruktur.
Der praktische Unterschied liegt derzeit woanders. Udio hat nach seinem Vergleich mit Universal Music im Herbst 2025 das Herunterladen von Titeln abgeschaltet und eine lizenzierte Plattform für 2026 angekündigt. Wer die Musik außerhalb der Plattform verwenden will, muss vor einem Abo prüfen, ob der Export inzwischen wieder möglich ist.
Preise, Guthaben und Downloads
Beide Dienste rechnen über Guthaben ab, das pro erzeugtem Stück verbraucht wird. Bei Suno liegt der Einstiegstarif nach Anbieterangaben bei rund 10 US-Dollar im Monat mit etwa 500 Songs, die höhere Stufe bei rund 30 US-Dollar mit etwa 2.000 Songs und Zugang zum Studio. Bei jährlicher Zahlung sinken die Preise um rund ein Fünftel.
Udio nennt für seine Bezahltarife ebenfalls rund 10 und rund 30 US-Dollar im Monat, mit einem Guthaben, das pro Abschnitt statt pro Song abgerechnet wird. Nicht verbrauchtes Abo-Guthaben verfällt bei beiden Anbietern am Monatsende; zusätzlich gekaufte Pakete bleiben erhalten.
Neu ist bei Suno eine Begrenzung der Downloads: Nach Anbieterangaben sind ab Anfang September 2026 in der Gratisstufe keine Downloads mehr vorgesehen, in den Bezahltarifen je nach Stufe einige Dutzend im Monat. Die Zahl der erzeugten Songs bleibt damit hoch, die Zahl der nutzbaren Dateien wird zur eigentlichen Grenze. Stand September 2026, alle Angaben ohne Gewähr.
Nutzungsrechte: was die Nutzungsbedingungen erlauben
Der Punkt, der für Unternehmen zählt, steht in den Nutzungsbedingungen. Bei Suno bleiben Titel aus der Gratisstufe Eigentum des Anbieters und dürfen nur privat und nicht kommerziell genutzt werden. Wer beim Erzeugen ein bezahltes Abo hatte, gilt als Eigentümer des Titels und darf ihn kommerziell verwenden, auch nach Ende des Abos.
Entscheidend ist der Zeitpunkt der Erzeugung, nicht der Zeitpunkt der Nutzung. Ein später abgeschlossenes Abo macht die Songs aus der Gratisphase nicht nachträglich kommerziell nutzbar. Wer Musik für ein Kundenprojekt erzeugt, sollte deshalb Abo-Stand und Datum jedes Titels dokumentieren.
Udio folgt demselben Muster: private Nutzung in der Gratisstufe, kommerzielle Rechte in den Bezahltarifen. Solange der Export gesperrt ist, läuft dieses Recht allerdings ins Leere. Und bei beiden Anbietern gilt: Ein Recht, das der Anbieter einräumt, reicht nur so weit wie seine eigenen Rechte an dem, was das Modell gelernt hat.
Klagen, Vergleiche, GEMA und AI Act
Genau dort liegt die offene Frage. Im Juni 2024 verklagten die drei großen US-Labels Universal, Sony und Warner beide Anbieter wegen des Trainings mit geschützten Aufnahmen. Warner hat sich im November 2025 mit beiden verglichen und Lizenzen erteilt, Universal mit Udio bereits im Oktober 2025. Die Verfahren von Universal und Sony gegen Suno sowie von Sony gegen Udio liefen Mitte 2026 weiter.
In Deutschland hat die GEMA Suno verklagt. Das Landgericht München I gab ihr am 31. Juli 2026 in wesentlichen Punkten Recht: Für sechs bekannte Titel, darunter „Atemlos durch die Nacht“ und „Forever Young“, sah das Gericht Unterlassungs-, Auskunfts- und Schadensersatzansprüche als begründet an, weil die Modelle die Werke gespeichert hatten und wiedergeben konnten. Die Text-und-Data-Mining-Schranke deckte das nach Auffassung des Gerichts nicht. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.
Hinzu kommen seit dem 2. August 2026 die Transparenzpflichten des AI Act: Anbieter müssen synthetische Audiodateien maschinenlesbar kennzeichnen, Nutzer müssen Inhalte offenlegen, die echt wirken sollen, etwa eine täuschend imitierte Stimme. Eine allgemeine Pflicht, jede Hintergrundmusik sichtbar zu markieren, gibt es nicht. Und die Datenseite: Beide Anbieter sitzen in den USA, hochgeladene Referenzaufnahmen und Liedtexte mit Personenbezug sollten deshalb draußen bleiben. Die Prüfpunkte stehen in unserem Beitrag zu DSGVO und AI Act.
Für wen sich Suno und Udio lohnen
Gut geeignet sind sie für alles, was intern bleibt oder kleine Reichweite hat: Musik unter Schulungsvideos, Podcast-Intros, Jingles für die Telefonanlage, Prototypen für eine Agentur, die später von Menschen produziert werden. Hier ist das Risiko überschaubar und der Zeitgewinn gegenüber der Suche in Stockmusik-Bibliotheken deutlich.
Ungeeignet sind sie, Stand heute, für Werbung mit großer Reichweite, für Fernsehen und Kino und für alles, was als eigenes Musikprodukt vermarktet werden soll, jedenfalls ohne rechtliche Prüfung. Die Rechtslage ist nicht stabil, ein Stück kann einem geschützten Werk näher kommen als beabsichtigt, und die Nutzungsbedingungen ändern sich mit jedem Vergleich. Wer auf Nummer sicher gehen will, schaut sich ElevenLabs an, dessen Musikmodell nach Anbieterangaben auf lizenzierten Daten trainiert wurde und für kommerzielle Nutzung freigegeben ist, mit Ausnahmen für Film und Fernsehen.
Für reine Videoproduktionen lohnt zudem der Blick in die Werkzeuge, die ohnehin im Einsatz sind: Synthesia bringt eine lizenzierte Stockmusik-Bibliothek mit, Runway erzeugt Geräusche und Sprache, Higgsfield koppelt Ton und Bewegung. Für Marketingteams, Selbstständige und Redaktionen mit vielen kleinen Formaten sind Suno und Udio damit eine günstige Ergänzung. Für Werbeagenturen und Produktionsfirmen bleiben sie bis auf Weiteres ein Skizzenwerkzeug. Wie wir Audio- und Videowerkzeuge sonst bewerten, steht in der Kategorie Audio und Video.
Kurzfassung: Beide Dienste liefern brauchbare Hintergrundmusik und Jingles für rund 10 bis 30 US-Dollar im Monat. Kommerzielle Rechte gibt es nur im Bezahltarif und nur für Titel, die während des Abos entstanden sind. Klagen der Labels und das GEMA-Urteil vom Juli 2026 machen den Einsatz in reichweitenstarker Werbung ohne rechtliche Prüfung unratsam.
Im Beitrag erwähnte Tools
Zu jedem Werkzeug gibt es einen ausführlichen Testbericht mit Noten und Preisen.
ElevenLabs
ElevenLabsSprachsynthese, die im Deutschen kaum noch synthetisch klingt.
Runway
Runway AIVideogenerierung mit ernsthaften Werkzeugen für Kamera und Schnitt.
Higgsfield
Higgsfield AIMehrere Videomodelle unter einer Oberfläche, mit Kameraführung statt Zufallstreffer.
Synthesia
SynthesiaAvatar-Videos für Schulung und interne Kommunikation, ohne Kamera und Studio.
Jean-Marc Mihoc arbeitet täglich mit KI-Werkzeugen und testet sie hier mit selbst bezahlten Zugängen an echten Arbeitsaufgaben, statt an Demos. Er schreibt auf, was dabei herauskommt, auch wenn es unspektakulär ist, und sagt bei jedem Werkzeug dazu, für wen es sich nicht lohnt.


