ChatGPT, Claude oder Gemini? Welcher KI-Assistent zu welcher Aufgabe passt
Drei Assistenten, sechs Aufgaben aus dem Arbeitsalltag, gleiche Bedingungen. Das Ergebnis ist eindeutiger, als es die Punktzahlen vermuten lassen – aber anders, als viele erwarten.
Der Aufbau: sechs Aufgaben, drei Assistenten, identische Eingaben
Wir haben ChatGPT, Claude und Gemini sechs Aufgaben gestellt, die in unseren Redaktionsalltag gehören: eine 40-seitige Ausschreibung zusammenfassen, eine Excel-Tabelle mit Umsatzdaten auswerten, eine Absage höflich formulieren, einen englischen Fachartikel ins Deutsche übertragen, ein fehlerhaftes Python-Skript reparieren und einen Sachverhalt mit Quellen recherchieren.
Jede Aufgabe bekam in allen drei Werkzeugen exakt dieselbe Eingabe, ohne nachträgliches Feilen am Prompt. Bewertet haben wir nicht den ersten Eindruck, sondern den Aufwand bis zum verwendbaren Ergebnis – die einzige Größe, die im Arbeitsalltag zählt.
Wichtig zur Einordnung: Alle drei Modelle liegen näher beieinander, als Ranglisten suggerieren. Die Unterschiede zeigen sich nicht in der Frage „richtig oder falsch“, sondern darin, wie viel Nacharbeit ein Ergebnis kostet.
Lange Dokumente: klarer Vorsprung für Claude
Bei der 40-seitigen Ausschreibung war der Abstand am größten. Claude hielt Details aus dem Anhang mit den Fristen im vorderen Teil zusammen und benannte von sich aus eine Unstimmigkeit zwischen zwei Absätzen. Die Zusammenfassung war ohne Korrektur verwendbar.
ChatGPT lieferte eine gut lesbare Fassung, ließ aber zwei Nebenbedingungen aus, die im Anhang standen. Gemini fasste den Anfang präzise zusammen und wurde zum Ende hin merklich gröber.
Wer regelmäßig mit Verträgen, Studien oder Protokollen arbeitet, trifft hier die folgenreichste Entscheidung – deshalb führt Claude auch unsere Kategorie KI-Assistenten & Chatbots an.
Tabellen und Zahlen: ChatGPT rechnet, die anderen schätzen
Bei der Umsatztabelle spielte ChatGPT seine Codeausführung aus: Es rechnete tatsächlich, statt Zahlen aus dem Sprachmodell zu würfeln, und legte auf Nachfrage die Rechenschritte offen. Die Abweichung zu unserer Kontrollrechnung war null.
Gemini kam ebenfalls auf die richtigen Summen, erklärte den Weg dorthin aber weniger nachvollziehbar. Claude rechnete korrekt, formatierte das Ergebnis jedoch als Fließtext, wo eine Tabelle nötig gewesen wäre.
Für wiederkehrende Auswertungen ist dieser Punkt entscheidend: Ein Assistent, der rechnet statt schätzt, spart die Kontrollrechnung – aber nur, wenn Sie ihn dazu bringen, den Rechenweg zu zeigen.
Übersetzung: Der Sieger ist gar kein Assistent
Alle drei Modelle übersetzten den Fachartikel verständlich, alle drei glätteten dabei Fachbegriffe, die im Original bewusst eng gefasst waren. Der Vergleichslauf mit DeepL fiel dagegen deutlich aus: engere Begriffstreue, weniger Umformulierungen, dazu ein Glossar für die eigene Firmensprache.
Das ist die wichtigste Erkenntnis dieses Vergleichs: Für klar umrissene Aufgaben schlägt das Spezialwerkzeug den Allrounder. Mehr dazu in unserer Kategorie KI-Schreibtools & Übersetzer.
Recherche: ohne Belege bleibt jede Antwort eine Behauptung
Bei der Recherche lieferten alle drei Assistenten plausible Antworten – und alle drei mindestens eine Aussage, die sich nicht belegen ließ. Gemini verlinkte am zuverlässigsten Quellen, ChatGPT recherchierte gründlicher, aber mit lückenhafter Verlinkung.
Deutlich sauberer arbeitete Perplexity, das jede Aussage mit Fußnoten versieht. Wenn Belegbarkeit zählt, ist ein Rechercheassistent dem Chatbot vorzuziehen – auch wenn er beim Formulieren schwächer ist.
Empfehlung: Es kommt tatsächlich auf die Aufgabe an
Wer sich für genau ein Werkzeug entscheiden muss und viel mit Text arbeitet, nimmt Claude. Wer möglichst viele unterschiedliche Aufgaben in einer Oberfläche erledigen will, nimmt ChatGPT. Wer ohnehin in Google Workspace arbeitet, holt aus Gemini den größten Zusatznutzen, weil die Integration mehr Zeit spart als jeder Qualitätsvorsprung.
Für Organisationen mit strengen Datenschutzvorgaben lohnt zusätzlich der Blick auf Le Chat mit Verarbeitung in der EU. Welche Prüfpunkte davor stehen, haben wir im DSGVO-Ratgeber zusammengestellt.
Und die ehrlichste Empfehlung: Nutzen Sie zwei. Die kostenlosen Stufen reichen aus, um bei wichtigen Aufgaben eine zweite Meinung einzuholen – wie weit man damit kommt, steht im Artikel über kostenlose KI-Tools.
Kurzfassung: Claude für lange Dokumente, ChatGPT für Zahlen und Vielfalt, Gemini für Google-Workspace-Teams, Perplexity für belegte Recherche, DeepL für Übersetzungen.
Im Beitrag erwähnte Tools
Zu jedem Werkzeug gibt es einen ausführlichen Testbericht mit Noten und Preisen.
ChatGPT
OpenAIDer Allrounder mit dem größten Funktionsumfang und dem breitesten Ökosystem.
Claude
AnthropicStärkster Assistent für lange Dokumente, sorgfältige Analysen und Texte mit Substanz.
Gemini
GoogleDie naheliegende Wahl für alle, die ohnehin im Google-Ökosystem arbeiten.
Perplexity
Perplexity AIRechercheassistent mit Quellenangaben statt frei erfundener Antworten.
Le Chat
Mistral AIEuropäische Alternative mit Servern in der EU und offenen Modellen.
DeepL
DeepL SEÜbersetzung auf Referenzniveau – aus Köln, mit europäischem Datenschutz.
Wir testen KI-Werkzeuge mit selbst bezahlten Zugängen an echten Arbeitsaufgaben und schreiben auf, was dabei herauskommt – auch wenn es unspektakulär ist. [Hinweis für die Einrichtung: durch die reale Autorin oder den realen Autor ersetzen.]