Claude vs. ChatGPT: der direkte Vergleich
Die beiden Erstplatzierten unserer Rangliste trennt ein Zehntelpunkt. Wo Claude vorn liegt, wo ChatGPT, was die Tarife kosten, und was sich mit GPT-6 und Claude Opus 5.5 im September geändert hat.

Das Ergebnis unseres Tests in Zahlen
In unserer Gesamtwertung liegt Claude mit 4,5 von 5 Punkten knapp vor ChatGPT mit 4,4. Der Abstand verteilt sich ungleich: Bei der Ergebnisqualität (4,8 zu 4,7) und der Bedienung (4,7 zu 4,6) liegt Claude leicht vorn, beim Funktionsumfang ChatGPT deutlich (4,9 zu 4,4), bei Preis-Leistung ChatGPT knapp (4,3 zu 4,2). Den Ausschlag gibt der Datenschutz, 4,2 zu 3,6.
Eine Einordnung vorweg: Unsere Noten stammen aus dem Test im August 2026. Seitdem hat OpenAI GPT-6 ausgeliefert, zuerst für zahlende Kunden, seit dem 22. September in einer kleineren Fassung auch im Gratistarif; Anthropic hat am selben Tag Claude Opus 5.5 veröffentlicht. Wir prüfen beide erneut. Die grundsätzlichen Unterschiede, um die es in diesem Vergleich geht, hängen aber weniger am einzelnen Modell als an Ausrichtung, Funktionen und Tarifen.
Texte und lange Dokumente: Claude
Bei langen Dokumenten war der Abstand in unserem Vergleich der Assistenten am größten. Claude hielt bei einer 40-seitigen Ausschreibung Details aus dem Anhang mit den Fristen im vorderen Teil zusammen und benannte von sich aus eine Unstimmigkeit; ChatGPT lieferte eine gut lesbare Fassung, ließ aber zwei Nebenbedingungen aus.
Dazu passt das Kontextfenster: Die aktuellen Claude-Modelle verarbeiten nach Anbieterangaben im Chat bis zu einer Million Tokens, genug für mehrere dicke Berichte auf einmal. Und sprachlich liefert Claude die aus unserer Sicht sauberste deutsche Prosa im Testfeld: wenig Floskeln, klare Absätze, eine Tonlage, die man selten nachbessern muss.
Funktionsbreite: ChatGPT
ChatGPT ist das breitere Werkzeug. Es erzeugt Bilder, rechnet Tabellen mit echter Codeausführung durch, statt Zahlen zu schätzen, führt Sprachdialoge, recherchiert in mehreren Schritten und erledigt als Agent Aufgaben im Browser. In unserem Test war die Auswertung einer Umsatztabelle fehlerfrei und nachvollziehbar.
Claude hat 2026 aufgeholt: Websuche, gründliche Recherche, ein Gedächtnis über Unterhaltungen hinweg, Projekte, das Erstellen von Dateien und seit Ende August die Browsersteuerung Claude in Chrome für alle Bezahltarife. Eine Lücke bleibt: Claude erzeugt keine Fotos oder Illustrationen, nur Grafiken wie Diagramme. Wer Bilder braucht, nimmt ChatGPT oder ein Spezialwerkzeug aus der Kategorie KI-Bildgeneratoren.
Programmieren: Claude Code gegen Codex
Beim Programmieren treten beide Anbieter mit eigenen Werkzeugen an. Claude Code arbeitet im Terminal und im Editor direkt im Projekt und ist ab dem Pro-Tarif enthalten; in unserer Kategorie KI-Tools fürs Programmieren erreicht es 4,3 Punkte. OpenAI bietet mit Codex ein vergleichbares Werkzeug in den Bezahltarifen von ChatGPT an.
Für Entwicklerinnen und Entwickler ist das oft der eigentliche Entscheidungsgrund: Wer ohnehin ein Abo für das Coding-Werkzeug abschließt, bekommt den Assistenten für alles andere dazu.
Tarife und Grenzen
Claude gibt es kostenlos mit einem Nachrichtenkontingent, das sich alle fünf Stunden erneuert; Claude Code ist im Gratistarif nicht enthalten. Pro kostet 20 Dollar im Monat oder 17 Dollar bei jährlicher Zahlung, die Max-Tarife mit fünf- beziehungsweise zwanzigfachem Kontingent 100 und 200 Dollar. Anthropic rechnet in Dollar ab, dazu kommt die Umsatzsteuer.
ChatGPT hat im August 2026 die Grenzen für Textunterhaltungen im Gratistarif aufgehoben, blendet dort aber seit dem 24. August in Deutschland Werbung ein, ebenso im günstigen Go-Tarif für rund 8 Euro. Plus kostet in Deutschland rund 23 Euro im Monat und bleibt werbefrei; darüber liegen zwei Pro-Stufen für 100 und 200 Dollar. Für Teams kosten beide Anbieter um 25 Dollar pro Person und Monat.
Für die meisten Einzelnutzer ist die Rechnung damit gleich: 20 Dollar für Claude Pro oder rund 23 Euro für ChatGPT Plus. Wer nur gelegentlich schreibt, kommt mit beiden Gratistarifen aus, muss bei ChatGPT aber Werbung in Kauf nehmen.
Datenschutz: Vorsprung für Claude, aber kein Automatismus mehr
Bei ChatGPT ist die Nutzung der Unterhaltungen zum Training in den Tarifen Free, Go, Plus und Pro voreingestellt und muss in den Einstellungen abgeschaltet werden. Anthropic hat seine Regeln für Privatkunden im Herbst 2025 geändert: Seitdem entscheidet ein Schalter, ob Unterhaltungen ins Training fließen. Ist er an, speichert Anthropic die Daten bis zu fünf Jahre, sonst 30 Tage. Wer den Hinweis damals einfach bestätigt hat, sollte die Einstellung prüfen.
In den Team- und Unternehmenstarifen ist die Trainingsnutzung bei beiden Anbietern ausgeschlossen, und nur dort gibt es einen Auftragsverarbeitungsvertrag. Eine Speicherung in der EU bietet keiner der beiden Privatkunden an. Den verbleibenden Vorsprung von Claude sehen wir bei der klareren Voreinstellung und den kürzeren Speicherfristen ohne Training; was vor dem dienstlichen Einsatz zu klären ist, steht im DSGVO-Ratgeber.
Welcher Assistent für wen
Claude ist die bessere Wahl für Wissensarbeit mit Text: Verträge, Studien, Berichte, Redaktion, und für alle, die zusätzlich programmieren. ChatGPT ist die bessere Wahl für alle, die ein Werkzeug für möglichst viele Aufgaben wollen, Bilder brauchen, viel mit Zahlen arbeiten oder gern per Sprache fragen.
Die ehrlichste Empfehlung bleibt dieselbe wie in unserem großen Vergleich: Nutzen Sie beide. Die Gratistarife reichen, um bei wichtigen Aufgaben eine zweite Meinung einzuholen. Wer über ganz andere Assistenten nachdenkt, findet sie im Beitrag über ChatGPT-Alternativen.
Kurzfassung: Claude (4,5) vor ChatGPT (4,4). Claude für lange Dokumente, deutsche Texte und Programmieren, ChatGPT für Funktionsbreite, Bilder und Zahlen. Beide kosten rund 20 Dollar im Monat; ChatGPT zeigt im Gratistarif Werbung. Trainingsnutzung bei beiden in den Einstellungen prüfen.
Im Beitrag erwähnte Tools
Zu jedem Werkzeug gibt es einen ausführlichen Testbericht mit Noten und Preisen.
Jean-Marc Mihoc arbeitet täglich mit KI-Werkzeugen und testet sie hier mit selbst bezahlten Zugängen an echten Arbeitsaufgaben, statt an Demos. Er schreibt auf, was dabei herauskommt, auch wenn es unspektakulär ist, und sagt bei jedem Werkzeug dazu, für wen es sich nicht lohnt.

